Fragen zur Beikost

„Die beste Methode zum Beifüttern ist nicht bekannt“ – diesen Satz der American Academy of Pediatrics zitiert der Kinderarzt Herbert Renz-Polster in seinem Vorwort für das Buch „Einmal breifrei, bitte“ und plädiert dabei an Eltern sich mehr an Ihre Kinder als an Ernährungspläne zu orientieren. Auch ich schließe mich dieser Meinung an und möchte Mut machen „klassische Breikost“ und „Fingerfood", nach den Bedürfnissen des Kindes anzubieten.

Oft hilft es Eltern die Beikostphahse entspannt zu gestalten, wenn der Gedanke des „fütterns“ weg fällt und statt dessen dem Baby geeignete Beikost angeboten wird und es selber entscheiden darf, ob es essen mag oder nicht.
Gesunde Babys wissen meist sehr gut, was und wie viel sie brauchen und schließlich soll Beikost Muttermilch/Anfangsmilch erst mal nur ergänzen.



Was sind „Reifezeichen“ für Beikost?

Ob dein Baby schon Beikost essen und verdauen kann, hängt von der Entwicklung ab. Jedes Kind ist anderes und hat einen individuellen Zeitplan. Es gibt jedoch 3 sichere Zeichen an denen du die "Beikostreife" erkennen kannst.
  • Der Ausspuck-Reflex ist nicht mehr da.
  • Dein Baby kann mit wenig Unterstützung aufrecht sitzen und der Kopf “wackelt” nicht wenn er nicht angelehnt ist.
  • Dein Baby hat Koordinierte Hand-Mund Bewegungen und kann Spielzeug gezielt greifen und zum Mund führen.
WICHTIG: Es müssen alle drei Zeichen erfüllt sein!



Ab wann kann ich Beikost anbieten?
Die ersten Beikost-Angebote sollte frühestens mit 5 Monaten und spätestens mit Beginn des 7. Monats erfolgen, sofern die Beikostreifezeichen vorhanden sind.



Wann beginne ich bei Frühgeborenen mit Beikost?
Bei Frühchen gilt, dass die ersten Beikost-Angebote zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat nach dem berechneten Geburtstermin aus erfolgen sollten und nicht vom tatsächlichen Geburtstermin. Auch bei Frühchen gilt natürlich, dass die Beikostreifezeichen vorhanden sind. Wenn du bezüglich der Entwicklung deines Frühchens unsicher bist und in der Nähe von Aachen wohnst kannst du dich gerne für einen Beratungstermin an mich wenden.



Braucht mein Baby früher Beikost, wenn es nur wenig zunimmt?
Nein. Die erste Beikost hat niemals so viele Kalorien wie Muttermilch bzw. Anfangsmilch. Solange dein Baby regelmäßig zunimmt, ist wahrscheinlich alles in Ordnung. Auch zarte, schlanke Babys sind in der Regel gesund. Wenn du unsicher bist dann Frage deinen Kinderarzt wie er die Entwicklung deines Kindes einschätzt.



Welche Lebensmittel kann mein Baby essen?
Nach meiner Erfahrung brauchen Babys 2-4 Monate Zeit um sich an feste Kost zu gewöhnen und es ist sinnvoll zu Beginn der Beikostzeit möglichst natürliche und gegarte Lebensmittel einzeln nach und nach zu probieren. In den Rezepten verwende ich nur Zutaten von denen ich sicher bin, dass die meisten Babys sie im entsprechenden Alter „vertragen“.



Was ist das Baukastensystem?
Nach dem Baukastensystem wird mit etwa 6 Monaten ein Gemüse-Kartoffel-(Fleisch)-Brei, mit 7 Monaten ein Getreide-Milch-Brei,  mit 8 Monaten ein Getreide-Obst-Brei angeboten und Muttermilch/Anfangsmilch nach und nach reduziert. Das Baukastensystem ist ein Vorschlag vom Forschungs-Institut für Kinderernährung und wird inzwischen von vielen Experten und Kinderärzten wie z.B. Dr. Renz Polster kritisch gesehen. Viele Eltern und auch Babys kommen mit dem Baukastensystem prima zurecht und erleben eine entspannte Beikostzeit. Wichtig ist jedoch, dass du weißt, dass dieser "Beikostplan" nur ein Vorschlag ist und dein Baby auch ohne Brei prima an Beikost herangeführt werden kann.



In dieser kostenlosen Broschüre kannst du alles wichtige zum Baukastensystem und Beikost nachlesen.



Worauf muss ich beim füttern mit Brei achten?
Babys möchten selbstständig werden und brauchen beim Brei löffeln oft erstaunlich wenig Unterstützung. Hier die wichtigsten "Regeln"
  • Dein Baby kann das Essen und den Löffel sehen und wird freundlich zum Essen eingeladen, ohne dabei Druck auszuüben oder es zum Essen direkt aufzufordern. Ohne Lob und Tadel :)
  • Genügend Zeit um in Ruhe zu schmecken und zu schlucken.
  • Es bekommt (wenn es mag) selber einen zweiten Löffel in die Hand.
  • Es kann sich frei bewegen und darf das Essen anfassen wenn es mag.
  • Dein Baby sitzt bequem und die Füße haben Bodenkontakt/Widerstand damit das Gleichgewicht gegeben ist (Hochstuhl mit Fußablage oder Halt der Beinchen auf dem Schoß).



Ab wann ist Fingerfood und/oder babygeleitete Beikost geeignet?
Aus meiner Erfahrung können Babys mit der Beikostreife (meist ab etwa 7 Monate) gegarte Gemüsesticks, weiches Obst und Brotwürfel sehr gut lutschen und haben Spaß am angepassten Familientisch das Essen der "Großen" zu probieren.



Was ist Baby-led weaning?
Beim BlW (babygeleitete Beikost) bekommen Babys als Beikost keine speziellen Nahrungsmittel sondern essen von Anfang an vom Familientisch mit. Diese „Methode“ ist nicht neu und erfreut sich (erfreulicher Weise) immer mehr Anhänger. Mehr zum Baby-led weaning hier.



Was ist wenn mein Baby sich verschluckt?
Was dann zu ist lernst du im erste Hilfe Kurs! Es kommt zum Glück nicht oft vor wenn die "Sicherheitsregeln" beachtet werden.
  • Ruhe
  • Kontakt und Aufsicht
  • Selbstbestimmtes essen
  • Aufrechtes Sitzen



Muss mein Baby immer zur gleichen Uhrzeit essen?
Nein. Beikost kann immer dann angeboten werden, wenn auch die anderen Familienmitglieder Ihre Mahlzeiten einnehmen.



Wie viel Beikost braucht mein Kind?
Ab Beikostreife sind Babys in der Lage kleine Portionen fester Nahrung (eine Babyhand voll) zu verdauen. Nach und nach werden dann mehr Verdauungsenzymne gebildet und die Portionen können größer werden. Du kannst dich dabei ganz auf den Appetit deines Kindes verlassen.
Muttermilch/Anfangsmilch darf auch weiter Hauptnahrungsmittel bleiben. Ab etwa 8-9 Monaten sollte dein Baby kleine Mengen zu sich nehmen und bis zum ersten Geburtstag nach und nach steigern. Dabei ist es vollkommen normal, dass Beikost auch mal einige Tage komplett abgelehnt wird und es Tage gibt an denen dein Baby besonders viel Beikost mag.



Schläft mein Baby durch, wenn es abends Brei bekommt?
Nein! Wenn es so einfach wäre, müsste niemand über Schlafprogramme diskutieren. Schlafen hat viel mehr mit der Entwicklung als mit der Ernährung zu tun.



Beikost und Verdauung, worauf sollte ich achten?
Mit der Beikost ändert sich auch Babys Verdauung. Je nachdem was dein Baby isst, ändern sich Farbe, Geruch und Konsistenz des Stuhlgangs. Manche Babys sind sehr sensibel und reagieren beim füttern von Brei schnell mit Verstopfung oder Durchfall. In den Rezepten schreibe ich meist eine Info zur Verdauung an die du dich orientieren kannst.



Plötzlich mag mein Kind keine Beikost, ist das normal?
JA! Es kommt vor, dass dein Baby plötzlich Beikost ablehnt und lieber nur Muttermilch/Anfangsmilch möchte. Mache dir deswegen keine Sorgen, das ist ganz normal. Oft sind die ersten Zähnchen die Ursache oder Wachstumsschübe. Meist klingt so eine Phase nach etwa 14-Tagen wieder ab.



Mein Baby ist ein „Vielfraß“, was soll ich tun?
Solange dein Baby gesunde und altersgerechte Kost wie hier beschrieben erhält, sollte es sich satt essen dürfen. Schon bald wird wieder eine Zeit mit wenig Appetit folgen, sodass nicht zu befürchten ist, dass dein Baby zu dick wird.



Darf mein Baby glutenhaltiges essen?
JA! Ab etwa 6 Monate darf dein Baby auch glutenhaltige Lebensmittel erhalten. Gluten ist in Getreidesorten wie Weizen, Hafer und Dinkel enthalten.



Darf mein Baby Honig essen?
Nein! Babys und Kleinkinder sollten im ersten Lebensjahr keinen Honig essen. Im Honig können Keime enthalten sein, die im Darm des Babys ein Gift bilden könnten. Das ist zwar super selten aber sicher ist sicher 🙂



Braucht mein Baby Fleisch?
Nein! Als Eisenlieferant sind Haferflocken und Mandeln genauso gut geeignet. Meine Rezepte enthalten auch ohne Fleisch genügend Eisen.



Darf mein Baby Fisch essen?
Ja! Ab etwa 7 Monate darf dein Baby Fisch probieren muss es aber nicht :) Fisch ist reich an Jod und Omega-3-Fettsäuren und auch für Babys empfehlenswert. Gut geeignet ist „bio“ Seelachs und Kabeljau.



Ab wann sind Eier erlaubt?
Nach dem 6. Lebensmonat ist Ei als Zutat z.B. in Nudeln unproblematisch. Kleine Mengen Ei als Beilage z.B. Rührei vertragen die meisten Babys ab Beikostreife auch meist gut. Als Richtwert gelten bis zu 2-3 Eier je Woche. Zum Schutz vor Salmonellen sollten Eier gut gegart werden.



Wieso ist in den Rezepten soviel Öl?
Essen für Babys sollte reich an hochwertigen Öl sein das für die richtige Energiedichte sorgt, so dass dein Baby auch mit kleinen Portionen satt werden kann. Außerdem sorgt das Öl dafür, dass fettlösliche Vitamine aufgenommen werden können.



Darf ich beim Kochen Salz verwenden?
NEIN! Salz belastet die noch unreifen Nieren des Babys und führt zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen.



Welche Milch ist für Milchbrei geeignet?
Milchbrei kannst du aus Muttermilch/Anfangsmilch oder aus Vollmilch 3,5% – 3,8% herstellen. Fettarme Milch ist nicht empfehlenswert.



Kuhmilch für Babys?
Nach den aktuellen Leitlinien zur Allergievorbeugung dürfen Babys ab etwa 7 Monate etwa 200g verarbeiteteKuhmilch wie Milchbrei oder Naturjoghurt erhalten. Auch kleine Mengen Butter, Sahne, milden Käse, oder Quark verbreitet Gerichten/Gebäck sind erlaubt. Kuhmilch als Getränk oder Ersatz für Muttermilch belastet die unreifen Nieren.



Mein Baby „matscht“ nur mit dem Essen, was soll ich tun?
Essen anzufassen und es kennenzulernen ist für Babys eine wichtige Erfahrung, die Spaß an gesunder Ernährung fördert. Anfangs geht es nur mit den Fingern, doch bald interessiert sich Ihr Kind auch für Besteck. Besonders gut geeignet ist Kinderbesteck mit extra dicken Griffen. Um einen gefüllten Löffel zum Mund zu bringen, braucht es viel Geschick und Übung. Einfacher geht es mit einer Gabel, Stücke können schon von Einjährigen recht sicher aufgepickt werden. Bitte nicht verzweifeln, wenn dein Baby die Gabel mit der einen Hand festhält und mit der anderen Hand das Essen aufnimmt. Es braucht viel Zeit zum Üben, bis Besteck sicher benutzt werden kann.



Brauche ich einen Beikostplan?
Nein! 
Aller Anfang scheint zunächst schwer aber wenn du es Schritt für Schritt angehst, wirst du überrascht sein wie einfach es sein kann, deinem Baby Beikost anzubieten. Es geht ganz wunderbar ohne Plan :) Einige Eltern möchten jedoch einen Anhaltspunkt zu Orientierung beim Brei füttern nach dem Baukastensystem und kommen mit diesem Plan gut zurecht.

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